Im neuen Jahr kein Schimpfen, Brüllen, Ausrasten mehr!

Frohes Neues Jahr! Mit lichtvollem Schwung geht es in großen Schritten voran. Jasmin Kreitmeier von Mamaherz und Bauchgefühl hat zur Blogparade „Vorsätze 2016“ aufgerufen. Die Parade startete mit ihrem Beitrag Selbstbewusst artgerecht leben mit Kind. Auch Nadin Haberer von Floras Schatzkiste hat schon teilgenommen mit ihrem Beitrag Pflanzliche gesunde Ernährung für Eltern und Kinder.image

Ich möchte mich mit dem folgenden Thema beteiligen.

7 Tipps für den Vorsatz „kein Schimpfen, Brüllen, Ausrasten mehr“

Der Brauch, sich gute Vorsätze für das neue Jahr vorzunehmen, bietet die hervorragende Gelegenheit sich an neue Ufer zu wagen!

Oft kommen Eltern in meine Online-Sprechstunde und nehmen sich ernsthaft vor, ihre Kinder bedingungslos anzunehmen und nicht mehr zu schimpfen. Nicht mehr zu schreien, ihr Wut nicht gegenüber den Kindern auszuleben und die Angelegenheiten ruhiger anzugehen. Das klappt dann meist ein paar Tage gut, bis sich die alten Reaktionsmuster bahnbrechen. Woran liegt das und vor allem: was können wir tun, damit wir unsere Vorsätze in das neue Jahr hineinretten?

Warum wir erstmal nicht anders können

In unserem System sind die Situationen, welche uns dazu veranlassen zu schimpfen, zu brüllen als stressig, bedrohlich oder vielleicht sogar gefährlich eingestuft. Egal ob die Kinder nicht „hören“, „unartig“ sind, sich Sachen nicht merken können, immer wieder bestimmte Sachen machen: wir verbinden damit bewusst oder unbewusst etwas negatives. Wir wollen Ordnung, auch mal in Ruhe reden können, einkaufen, ein anständiges, pfiffiges Kind, was auch immer, die elterlichen Erwartungshaltungen bleiben in diesen Momenten unerfüllt. Und hier kommt unser Stammhirn ins Spiel: wir reagieren, als ob uns eine urzeitliche Gefahr gegenüber steht. Flucht oder Angriff, da unser „Gegner“ schwach ist, wird der Angriff automatisch ausgelöst. Die Eltern schimpfen, Brüllen, Kritisieren, eine irrationale Wut bahnt sich den Weg und nach diesen Bruchteilen von Sekunden können wir erst wieder klar denken. Wir die Übertriebenheit des Angriffes. Ein Wutausbruch beim Kind, ein verwüstetes Zimmer, ein beschädigtes Material, ein nicht kapierendes Kind, usw. – all das sind natürlich keine Gefahren und wenn wir bewusst hinschauen, entlarven sich die meisten der elterlichen Sorgen als irrational!

Wahrscheinlich sind die unguten Gemütszustände der Kinder evolutionsbiologisch auch als Risiko einzustufen oder auch nur moralisch verwerflich. Ich denke da nur an die schwarze Pädagogik: das Kind muss sich früh unterwerfen, es darf keinen eigenen Willen haben. Solche Glaubenssätze stecken noch in den Generationen vor uns. Gefühlsausbrüche und Verhaltensweisen der Kinder sind über Generationen hinweg negativ konnotiert bewertet wurden. Und auch wir kreieren erst mit der Zeit neue Haltungen den jungen Menschen gegenüber. Da wir keine direkten Rollenvorbilder haben, ist es unsere Aufgabe, eine Kultur der Gelassenheit zu entwickeln.

Folgende Tipps können helfen, nicht mehr zu Schimpfen, zu Brüllen oder Auszurasten

1. Tipp: Vorsätze ausformulieren und Zeitrahmen setzen

Vorsätze detailliert ausformulieren & einen Probezeitraum setzen und die Veränderung in der Familie ankündigen. Zum Beispiel: Nicht: „weniger schimpfen, Wut nicht an den Kindern auslassen“ SONDERN: „Ich werde nun für eine Woche anders reagieren.“ „Wenn ich sehe, wie mein Kind aufgibt, wenn es vor einer Herausforderung steht und da nicht weitergeht, atme ich durch, gehen meinen Dingen nach und äußere Verständnis (falls ich es spüre!)“

Nach dieser Woche reflektieren, was brauche ich, um meine Vorsätze weiterhin zu bewahren? Wie geht es den anderen damit? (z.B. Zeit, Ruhe, professionellen Beistand, Geduld, Selbstliebe)

2. Tipp Handlungsalternativen

Schreibe Deine idealen Handlungsalternativen detailliert auf. Entwickle ein neues Drehbuch für solche Situationen, in denen Du sonst mit Schimpfen, Brüllen oder Ausrasten reagiert hast. Zum Beispiel: „Ich sehe, Du bist gerade sehr beschäftigt mit Deinem Spiel, Du hast die ganze Küche einbezogen. Der Tisch ist angemalt und der Fußboden ist nass. Ich möchte nun langsam wieder Ordnung hier haben. Wie lange brauchst Du noch, bevor Du (oder wir) mit dem Aufräumen beginnen?“ oder „Du bist nun wütend, weil Du gern noch weiter schauen möchtest und wir müssen jetzt los, sonst verpassen wir den Bus. Befürchtest Du, dass Du die Sendung dann nicht mehr schauen kannst?“

Wenn Deine eigenen Emotionen zu stark sind, um so sachlich zu reagieren, dann versuche, das früheste Anzeichen Deiner Wut wahrzunehmen und Deine Gedanken nur zu beobachten, anstatt ihnen zu glauben. Ungefähr so: „Wenn ich bemerke, wie ich gerade denke: es müsste hier doch wohnlich aussehen/ ich habe einfach keinen Nerv dafür/ ich muss doch auch mal wahrgenommen werden… dann beobachte ich meine Gedanken und betrachte auch das reale Geschehen als Beobachter. Ich sehe: ein brüllendes, verzweifeltes Kind, welches gerade keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten hat/ streitende Geschwister/ kaputtes (wertvolles) Material/ und schaue auf die Bedürfnisse der Beteiligten: mein Kind braucht noch mehr Zeit/ ich brauche jetzt Ruhe/ Harmonie/ Zeit für mich. Wie und wann können wir diese Bedürfnisse erfüllen?“

Oder Du kannst Dich auch erst einmal Deinen Emotionen widmen und Dir mit dem Zeige- und Mittelfinger auf die Thymusdrüse klopfen. Dabei lässt Du Deine Gedanken und Reaktionsimpulse innerlich vorüberziehen und sagst nichts. Wenn Du wieder gefasst bist, sortierst Du Dich und äußerst Dich wohlwollend.

Ihr könnt auch eure quasi-Reaktionen ausleben (wenn ihr etwas Beherrschung habt), indem ihr eingangs sagt: „Normalerweise würde ich jetzt sagen: Ich glaube, ich spinne, was ist denn hier schon wieder los, habe ich nicht gesagt…“ und dabei zu lächeln und dann auch wieder zu wiederholen: „aber ich sage es jetzt nicht!“

„Ihr wollt gerade das gleiche Spielzeug haben. Und es gibt nur das eine. Ich bin sicher, ihr werdet eine Lösung finden, mit der beide zufrieden sind.“ Und dann weggehen, erst wenn das nicht klappt: Einschreiten und sagen: „ich glaube ihr findet gerade allein keine Lösung, kann ich Euch helfen? Oder bei handgreiflichen Auseinandersetzungen: „Ich glaube, ihr braucht gerade etwas abstand voneinander, um wieder Lösungen zu finden.“

Gerade bei Rangeleien ist es gut, zwischen Spiel und Nicht-Spiel zu unterscheiden. Wobei die Übergänge fließend sind. Generell gilt dann: das Spiel hört für den einen da auf, wo es für den anderen nicht mehr lustig ist.

3. Tipp: Helfer engagieren

Wenn ihr neue Verhaltensmuster dauerhaft etablieren wollt, ist es gut, Unterstützung zu haben. Bittet Eure Kinder, den Partner, weitere Familienangehörige oder auch Freunde, Euch direkt zu unterstützen und an die Vorsätze zu erinnern. Je mehr ihr Feedback über Euer Verhalten bekommt, desto eher kann sich ein neues Verhalten manifestieren. Und es ist gut möglich, dass Eure Kinder bestimmte Äußerungen schon als Schimpfen empfinden, welches ihr als „ich habe doch nur gesagt,…“ einordnet. So entsteht mit der Zeit eine neue Kommunikationskultur auf der Metaebene in Eurer Familie!

Dazu gehört auch das Einsehen seiner wiederholten alten Muster: „ja, Du hast Recht- stimmt, DANKE für den Hinweis und Deine Erinnerung an meine Vorsätze.“

4. Tipp: Notfallprogramm

Es wird am Anfang und auch immer mal wieder zu Situationen kommen, in denen Du unter Stress stehst und Dein „inneres System“ auf die alten Überlebensmuster zurückgreift. Sie haben Dir im Laufe Deines Lebens an vielen Stellen geholfen, es war gut, dass Du genauso reagiert hast. Oder mit Dir wurde so umgegangen, in Deiner eigenen Kindheit und Du wusstest bisher keine andere bessere Art und Weise zu reagieren. Heute passt es nicht mehr in Dein Lebenskonzept, Du möchtest nicht mehr angreifen, brüllen und Deine Wut am gegenüber ausleben.

Was kannst Du im Notfall tun, um Dein neues Verhalten auszuleben?

Ein paar Vorschläge dazu: Es kann sein, dass es gut ist, Deinen Partner, die Nachbarin, größere Geschwister um Hilfe zu bitten: „komm bitte mal, ich habe gerade keine Geduld mehr“. Gerade wenn noch jemand anwesend ist, können wir uns eher beherrschen. Eine weitere Idee ist es, die Situation zu dokumentieren: „Das muss ich jetzt mal fotografieren/ filmen.“ Das bringt Dich in eine andere Handlungsschiene. Oder einfach rausgehen, Atemübungen machen. Und ganz wichtig: ein neues Drehbuch schreiben für diese Situation, denn meistens sind es immer wiederkehrende Situationen, die uns „auf die Palme bringen“.

5. Tipp Verzeihung & Wiedergutmachung

Zu diesem ganzen Prozess gehört es auch, um Verzeihung zu bitten, wenn man mal wieder in alte Verhaltensweisen verfallen ist und „Ehrenrunden“ gedreht hat: „Es tut mir leid, ich habe es wieder getan. Ich verstehe, wenn Du nun enttäuscht bist. Gibt es etwas, was ich tun kann, um es wieder gut zu machen?“.

6. Tipp: In die Liebe kommen

Das Wichtigste ist es immer wieder in die Liebe zu kommen. Wie schnell sind wir als Eltern in der Bewertung, im Zweifel, im Unzufriedensein, wir Vergleichen, geben RatSCHLÄGE, wissen es besser, mischen uns ein. Dann ist es gut, sich zu fragen:

Was macht uns eigentlich so wütend, was lässt uns aus der Haut fahren, was für Ängste stehen dahinter?

Glaubst Du, die Anderen halten Dich für eine schlechte Mutter/ einen schlechten Vater? Befürchtest Du, Deine Kinder bleiben dumm oder kommen später nicht zurecht? Wenn Du Deinen Ängsten ins Gesicht schaust, wirst Du erkennen, dass viele davon vollkommen irrational sind, denn: „Die Raupe wächst nicht schneller, wenn man an ihr zieht, sie stirbt.“ (André Stern).

Was machst Du, um in die Liebe zu kommen?

Eine Inspiration: wenn die Kinder schlafen, kannst Du Dir Fotos oder Videos von ihnen anschauen. Oder einfach mal zurückschauen- wie es damals war und wie groß sie heute schon sind. Bei Geschwistern kann man die Entwicklungen der Zeit noch deutlicher sehen: wie schnell sie (alle!) aus den herausfordernden Phasen wachsen und sich alle notwendigen Entwicklungen von allein vollziehen, denn zumeist sind kognitive Bedingungen die Grundlage für Erkenntnisse. Die meisten dreijährigen Kinder KÖNNEN sich noch nicht etwas aufheben, um sich später daran zu erfreuen, Sechsjährige können das dafür schon recht gut. Und das alles ohne zutun der Eltern. Dafür braucht ihr keine Situationen zu schaffen, damit das Kind lernen kann, Geduld zu üben oder sich auf etwas zu freuen. Einfach genial, oder?

7. Tipp: Selbstgüte entwickeln

Und zuguterletzt: immer wieder Mitgefühl für sich selbst entwickeln: „ja – ich drehe Ehrenrunden, ja – ich bin semiprofessionell, ja – ich bin manchmal eine Mutter, die aus der Haut fährt. Ich gebe mein Bestes und trotzdem ist es oft nicht genug!“

Die Selbstgüte hat auch viel mit Verstehen, des eigenen So-Geworden-Seins zu tun. Wenn ich mit den Jahren verstehe, woher diese Wut, diese Ungeduld, diese schlechte Laune beim Aufräumen, diese Kritik, dieses Abwerten (was auch immer) kommt, kann ich es anschauen und sagen: „Aha. Ja, daher kenne ich das. Ich habe das viele Jahre erlebt und unbewusst glaubte ich, das macht man so. Jetzt hole ich das in mein Bewusstsein. Und entscheide mich für eine liebevolle Atmosphäre in meiner Familie.“

Ich wünsche allen viel Kraft, Geduld und inspiriende Wachstumsprozesse! Wenn Du merkst, Du kommst mit diesen Tipps nicht allein aus Deinen alten Verhaltensmustern, empfehle ich Dir eine professionelle Begleitung.

 

weitere lesenswerte Beiträge zur Blogparade:

praktische Übungen von Jundra (Lune et Soleil Ayurveda): Die Stimme des Herzens zwischen Eltern und Kindern

Verzicht auf Erziehung von Katharina Walter (meingeliebteskind): Vom Vorsatz, keine Vorsätze zu haben

Beziehung zu Deinen Eltern: Renee Mennekes (femispirit):

6 Kommentare zu “Im neuen Jahr kein Schimpfen, Brüllen, Ausrasten mehr!

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  3. Ich finde,du hast eine wundervolle Art in diesem Artikel die Dinge beim Namen zu nennen, ohne subtil ein schlechtes Gewissen zu verursachen.
    Danke dafür!

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    • Liebe Maria, ich danke Dir für Dein Feedback! Ja, wir dürfen uns regelrecht Fehler erlauben! Hin zu einer Fehlerfreundlichkeit. Ich habe aus meinen Fehlern immer so viel gelernt, dass ich mich entschieden habe, wieder welche zu machen ; )
      Und es ist ja durchaus manchmal stimmig, seine Wut zuzulassen und sich zeitgleich die Auswirkungen nicht zu beabsichtigen…

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