Wenn Kinder Angst vorm Kinderarzt haben

Im Allgemeinen wird geraten, die Angst der Kinder ernst zu nehmen und die Kinder frühzeitig an die Arztbesuche zu gewöhnen. Vor allem sollen Kontrolluntersuchungen statt finden, die möglichst ohne negative Erfahrungen ablaufen. Stehen Blutabnahmen, Impfungen oder andere invasive Eingriffe an, sollte das Kind ehrlich im Vorfeld informiert werden. Spielerisch kann das Arztsetting zu Hause nachgestellt werden. Letztendlich musst Du als Erwachsener die Verantwortung übernehmen und entscheiden, ob professionelle Hilfe von Nöten ist oder ob Du die Situation angemessen begleiten kannst. Oftmals können gut informierte Eltern die Situation intuitiv richtig einschätzen. Im empfehlenswerten „Kindergesundheitsbuch“ von Vagedes und Soldner gibt es für jedes Symptombild eine detaillierte Beschreibung, ab wann ein Arztbesuch sinnvoll ist und was dort wahrscheinlich gemacht wird. So können Sich die Eltern und Kinder vorab informieren und mental auf den Arztbesuch vorbereiten. Im akuten Fall sind Hausbesuche sinnvoll, hier bleibt das Kind in der vertrauten Umgebung und fühlt sich geschützter. Was kannst Du aber tun, wenn Dein Kind trotz bester Vorbereitung und gutem zureden weiterhin nicht zum Arzt will?

Generell solltest Du Dich fragen, was im schlimmsten Fall passieren kann, wenn eine Vorsorgeuntersuchung ausfällt, eine Intervention unterbleibt, ein Medikament nicht genommen wird oder einfach noch etwas abgewartet wird. Das ist natürlich stark vom Krankheitsbild abhängig! Oftmals ist weniger mehr und Du kannst Deinem Kind vertrauen.

Manchen Kindern ist ihr Selbstbestimmungsrecht heilig. Häufig äußert sich das Autonomiebestreben mit der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres: mit 7 oder 9 Monaten wird ihnen das Anziehen, Waschen, Abhalten oder Wickeln zu fremdbestimmt. Verständlich, dass Untersuchungen und Behandlungen mit zunehmenden Alter und Reflektiertheit skeptisch verneint werden. Bei Erwachsenen äußert sich diese Furcht vorm Arzt oft im sogenannten „Weißkittelsyndrom“, bei dem der Blutdruck durch den Anblick des Arztkittels höher ist als normal.

Wenn Du ein Kind hast, dass auch sonst sehr selbstbestimmt aufwächst und seine Bedürfnisse gut artikulieren kann und trotzdem nicht zum Arzt will, dann vertraue ihm auch im Krankheitsfall. Mittlerweile können viele Untersuchungen unkompliziert zu Hause durchgeführt werden. Wenn Du einen Verdacht hast, woher die Symptome kommen könnten kannst Du auch selbst einige Verdachtsfälle abklären. Einen schnellen Überblick kann Dir ein Urintest beispielsweise mit den Combur 9 Teststreifen verschaffen, in dem unter anderem der pH-Wert, Leukozyten- und Proteingehalt im Urin gemessen wird. Wenn Du Deinem Kind die Testergebnisse zeigst, kannst Du es vielleicht im Ernstfall eher vom Arztbesuch überzeugen. Üblicherweise kooperieren die Kinder im Ernstfall.

Diverse Urin-, Stuhl-, und Bluttests, die Du selbst durchführen kannst und dann direkt in ein Labor schickst können einem Kind mit Arztphobie erst einmal weiter helfen. Du brauchst dazu erst einmal keinen Termin beim Arzt, es fällt keinen Wartezeit an. Der psychische Stress vor und während des Arztbesuchs entfallen und Du kannst trotzdem schnell und unkompliziert feststellen, ob Entzündungen vorliegen und weiteres beim Arzt abgeklärt werden sollte.

Häufig dreht sich die Angst um ein Kontrollbedürfnis. Wenn das Kind Einblick in Überlegungen, Abläufe und Verfahren bekommt, kann das durchweg bereichernd sein. Einige Schnelltests können durch das mitgelieferte Labor-Equipment selbst durchgeführt werden. Hierbei bekommt die ganze Familie Einblick und schon vierjährige Kinder können das Geschehen interessiert verfolgen.

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