Wutanfälle bei Eltern

Wutanfälle bei Eltern

Wenn sich dein Kind oder deine Kinder anders verhalten, als Du Dir vorstellst, kannst Du bestimmt auch richtig wütend werden. Die Wut an sich ist nichts schlechtes. Wenn Du allerdings Dein Kind für deine Gefühle verantwortlich machst, beschuldigst, es anschreist, derb wirst und aus der Haut fährst, ist es Zeit für Veränderung! Gut, dass Du Dich damit beschäftigst, vielleicht plagt Dich auch ein schlechtes Gewissen, sicherlich möchtest Du gar nicht so ausfällig werden.

Trotz der guten Vorsätze ist es passiert, vielleicht mehr als einmal.

Das folgende Video kann Dir helfen, erste Schritte in Richtung Veränderung zu gehen. Ich formuliere das so vorsichtig, weil das ein wirklich langer Weg sein kann.

Bei einem Wutanfall kommt so einiges zusammen: die aktuelle, auslösende Situation, eigene (möglicherweise sehr frühe) Erfahrungen und interpretierende Gedanken.

Zum Beispiel: Dein Kind hat gerade etwas gemacht, was es nicht machen soll und ihr hattet deswegen schon mehrfach Auseinandersetzungen. Dir ist ist so etwas als Kind überhaupt nicht erlaubt worden oder Du hättest es Dir nicht getraut zu tun. Dazu denkst Du ähnliche Dinge wie: „Er wird es nie lernen. Was soll nur aus ihr werden. Wenn das jemand sieht, der muss doch denken, wir sind völlig bescheuert.“

5 erste Schritte für Eltern bei Wutanfällen

  1. Die Situation bahnt sich an. Gut ist es, wenn Du bemerkst, dass Du Stress empfindest. Das können deine Gedanken sein: „Wieso ist das immer so anstrengend, das muss doch nicht sein. Bei anderen geht es doch auch. Ich weiß nicht, von wem er das hat.“ oder so etwas in der Art. Ebenso kann es sein, dass Du körperlich ein Stressempfinden wahr nimmst: zunehmende Anspannung, Hektik oder schweres Atmen können erste Marker sein.
  2. Versuche sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen, wahrscheinlich ist es nicht so schlimm, was gerade passiert. Okay, es wäre toll, wenn ihr Kind allein im Bett liegen bleiben und Abmachungen einhalten würde. Fabelhaft, wenn es das tun würde, was Sie von ihm verlangen, nicht klagen würde, wenn es etwas beenden muss, was ihm Spaß macht. Unvorstellbar, wie es wäre, wenn es Ordnung halten würde, achtsam mit Dingen umginge, immer um Erlaubnis fragen würde und ehrlich wäre. Von Vorteil wäre es gewiss, wenn das Kind (zumindest in der Öffentlichkeit) keinen Wutanfall bekäme und nicht seine Geschwister necken, hauen, treten und ihm keine Haare ausreißen würde. Unvorstellbar, wie angenehm es wäre, wenn das Kind nicht dazwischen reden würde, nicht schmollen oder sogar leise wäre. Wie harmonisch das Familienleben sein könnte, wenn die Kinder die Eltern nicht beschimpfen, immer teilen und auf ihren Plätzen bleiben würden. Sicherlich fällt Dir jetzt auch noch etwas ein, was Deine Wut aufkochen lässt. Fakt ist, es ist nicht so, wie Du es Dir vorstellst! Stell Dir vor, Du würdest all das nicht erwarten. Wie ginge es Dir ohne diese Erwartungen und Vorstellungen? Was wärst Du für ein Mensch, wenn Du mit Dein Kind so annehmen könntest wie es ist? Was würdest Du dann machen?
  3. Überlege Dir nun, was bringt Dich genau auf die Palme? Schreibe Dir die auslösenden Reize, Deine damit verbundenen Gedanken und Gefühle detailliert auf. Am Besten, Du machst Dir eine Tabelle (Wutauslöser, Gedanken, Gefühle)
  4. Nun stell Dir vor, Du sitzt da oben, von Deinem Kind auf die Palme gebracht. Wobei es ja immer zwei sind, die an so einer Situation beteiligt sind: einer der auf die Palme bringt und einer, der sich auf die Palme bringen lässt. Stell Dir vor, wie sieht diese Situation von dort oben aus. Du und Dein Kind/ Deine Kinder. Stehst Du mit dem Kind auf Augenhöhe, wenn Du mit ihm sprichst? (Empfehlung: Besorge Dir kleine Hocker oder Kisten, die den Höhenunterschied zwischen Dir und dem Kind ausgleichen, so könnt ihr wahrlich auf „Augenebene“ miteinander reden.) Wie ist die Körperhaltung von Dir und dem Kind? Versucht es sich zu schützen, wirkt es eingeschüchtert?
  5. Hast Du schon einmal beobachtet, ob Dein Wutausbruch irgendwelche, langfristigen positiven Effekte hat? Was bewirkt Dein wütendes Verhalten genau? Wie fühlst Du Dich danach? Macht Dein Kind langfristig das was Du willst? Ist es danach vernünftiger, liebevoller, verständnisvoller? Häufig wissen die Kinder gar nicht genau, warum die Eltern so wütend werden. Und wenn, scheint es ihnen fast unmöglich zu sein, ihr Verhalten zu ändern. Sie sind gerade dabei die Welt zu erforschen und die Erwachsenen scheinen sie ständig in ihrem Forscherdrang zu bremsen.

Diese 5 ersten Schritte können Dir sehr behilflich sein, wenn Du an Deinen Wutanfällen arbeiten willst. Du bist nun sensibel für Deine frühen Stressanzeichen. Du hast Deine Erwartungen beleuchtet und Dich gefragt, was Du machen würdest, wenn Du all diese Vorstellung darüber, wie Dein Kind sein soll, nicht hättest. Dann hast Du genau definiert, was Dich so auf die Palme bringt und hast die Metaebene eingenommen und die Situation mit Abstand betrachtet. Abschließend hast Du Dir überlegt, welche Folgen Deine Wutausbrüche haben.

Das ist für den Anfang eine ganze Menge!

Im nächsten Video werde ich Dir zeigen, wie Du Deiner Wut liebevoll begegnen kannst.

Ich wünsche Dir viel Kraft für Deine Prozessarbeit!

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